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Interview Michael Burmann

Was macht Investments in den Mittelstand so attraktiv?

Michael Burmann, Gründer und Geschäftsführer Werte Invest

„Nicht nur professionelle Anleger sind hier goldrichtig“

Michael Burmann Auf einen Nenner gebracht: die attraktive Liquiditätsprämie. Sie ist nicht direkt an den Begriff Mittelstand gebunden, sondern an die Unternehmensgröße.

Was muss man sich darunter vorstellen?

Burmann Kleine und kleinste Unternehmen unterliegen anderen Berichtspflichten und sind für Großinvestoren kaum erfassbar. Für Nischenmärkte typisch, vereinen sie einzelne Perlen und etliche Nieten.

Sprechen Sie damit charmant betrügerische Geschäftsmodelle an?

Burmann Nein, kriminelle Energie ist hier nicht mehr verbreitet als sonstwo. Es fehlt in Krisen an Liquidität. Man kann ein Paket Winz-Titel bei Bekanntwerden von Problemen nicht wie VW-Aktien verkaufen.

Wie wirkt sich das in der Konditionsgestaltung aus?

Burmann Kleine Unternehmen müssen einen Ausgleich schaffen, also mehr Dividende zahlen oder mit höherem Kupon locken – als Risikoprämie dafür, dass der Investor in einem solchen Papier gefangen ist.

Man muss demnach entsprechend sehr gezielt investieren?

Burmann Ja unbedingt. In einem Universum von angenommen 500 Titeln sind vielleicht 25 im Chance-Risiko-Mix wirklich ausgezeichnet. Das erfordert eine tiefe Marktkenntnis und Expertise.

Mehr als in den Blue-Chips?

Burmann Das kann man nicht vergleichen. Die Big Names machen Märkte – Blackrock, JP Morgan und Co treiben die Kurse periodisch vor sich her, egal ob sie Low-Vola oder Growth spielen. Hier profitiert man fast zwangsläufig mit. In kaum beachteten Nischen muss der Anleger vorausdenken. Wenn ein Problem publik gemacht wird, hat man seine Chancen schon verspielt.

Kann ein Privatanleger dieses Wissen selbst vorhalten?

Burmann Nur in Einzelfällen, etwa, wenn ein Unternehmer in sein unmittelbares Geschäftsfeld investiert. Wer nicht wie er Ross und Reiter bestens kennt, fährt mit einem guten Fonds deutlich besser.

Sie betreuen eine Vielzahl von vermögenden Kunden. Für wen sind Mittelstandsinvestments, sei es über Aktien oder Anleihen, geeignet?

Burmann Für alle. Liquide Mittelstandsanleihen sind ein überlegenswerter Bargeldersatz, zinsstarke No Names mit gutem Geschäftsmodell, Cashflow und Wachstum ein konservativer Renditekicker. Aktien von Weltmarktführern sind oft knapp bewertet und haben Kurspotenzial.

Wo ist dann der Pferdefuß?

Burmann Das ist und bleibt die geringe Liquidität. Man muss beim Einstieg sehr zurückhaltend sein und in Krisenzeiten eiserne Nerven behalten. Das heißt im Umkehrschluss, dass breite Streuung oder Indexinvestments keine so gute Idee sind. Und dass Fonds nicht besser werden, wenn sie unbegrenzt wachsen. Wer viel Kapital in engen Märkten unterbringen muss, kann schwerlich so wählerisch sein wie zuvor und er bekommt solche Volumina nicht mehr unter, ohne sich selbst die Kurse zu verderben. Denn wenn der S&P 500 um 25 Prozent abschmiert, geht der Russell 3000 mit 50 Prozent in die Knie.

Nachhaltige Analysen

Neue Umwelt- und Sozialvorgaben betreffen alle Unternehmer. Das Analysehaus imug rating hat eine Nachhaltigkeits-Bewertung entwickelt, die Mittelständlern besser gerecht wird.

2019-10-31T09:58:15+02:00